
Zudem steht bei den Deutschen laut Tourismusprognose des BAT Freizeit Forschungsinstituts der Erholungs und Wellnessurlaub mit 69 Prozent weit oben auf der Wunschliste für die zukünftige Urlaubsplanung. Auch eine Studie des bayerischen Wirtschaftsministeriums zur „Zukunft des bayerischen Tourismus“ kommt zu dem Schluss, dass die Nachfrage nach Gesundheits- und Wellnessangeboten in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen wird, wobei insbesondere Angeboten an der Schnittschnelle zwischen klassischer Gesundheitsdienstleistung, Urlaub und Aktivität gute Aussichten bescheinigt werden.
Gesundheit, Wellness, Wellnesstourismus – was bedeuten diese Begriffe? Die World Health Organisation (WHO) hat bereits 1948 Gesundheit als „Zustand eines vollkommenen körperlichen, seelisch-geistigen und sozialen Wohlbefindens“ definiert. Damit verabschiedete man sich von einer Definition, die Gesundheit allein als Abwesenheit von Krankheit beschreibt. Gesundheit wird als ganzheitlicher Begriff verstanden, der durch jeden einzelnen selbständig beeinflusst werden kann: Präventive Maßnahmen zur Erhaltung und Förderung der Gesundheit spielen daher eine wesentliche Rolle.
In diese Richtung geht auch der Begriff Wellness, neben der klassischen Kur ein Teilbereich des Gesundheitstourismus. Bereits um1960 wurde Wellness als Wortschöpfung, die sich aus den Begriffen wellbeing (Wohlbefinden) und fitness zusammensetzt, durch einen amerikanischen Arzt geprägt. Nicht die Rehabilitation oder Behandlung chronischer Krankheiten steht im Vordergrund, sondern präventive Maßnahmen, die entsprechend dem neuen Gesundheitsverständnis eine Harmonie von Körper, Geist und Seele herstellen. Diese umfasst neben körperlicher Fitness, geistige Aktivität, gesunde Ernährung, Entspannung, Umweltsensibilität und Selbstverantwortung, die sich entsprechend im Wellnessangebot ieder finden sollten. Im Ergebnis unterscheidet sich der Wellnesstourist vor allem durch eine wesentlich kürzere Aufenthaltsdauer, die sich häufig auf Tages- und Wochenendaufenthalte beschränkt. Wellnesstouristen sind Selbstzahler, die bewusst in die eigene Gesundheit investieren und daher auch ein entsprechendes Angebot erwarten. Nachgefragt werden individuelle, maßgeschneiderte Angebote, die mit dem Massentourismus der Vergangenheit nichts mehr zu tun haben. Diese neuen Zielgruppen wählen ihren
Aufenthalt unter Serviceaspekten, wobei in relativ kurzer Zeit ein ganzheitliches Wohlbefinden erreicht werden soll. Welche Angebote allerdings von einer Wellnessdestination bereitzustellen sind, wird nicht wie bei Kurorten oder Heilbädern durch staatliche Standards festgelegt.
Dies ist ein besonders kritischer Punkt. Ein Wellnessteebeutel am Tag oder ein kostenloses Fläschchen Mineralwasser macht aus einer Hotelübernachtung noch keinen Wellnessaufenthalt. Notwendig sind qualitativ hochwertige Dienstleistungen, die durch ein entsprechend qualifiziertes Personal durchgeführt werden. Auch wenn es keine staatlich vorgeschriebenen Qualitätskriterien im Wellnesstourismus gibt, können Angebote wie WellVital der BAYERN TOURISMUS Marketing GmbH hilfreiche Hinweise geben, welche Standards im Wellnessbereich gefordert werden.
Der Deutsche Tourismusverband e.V. hat im Jahr 2002 einen „Praxisleitfaden Wellness“ herausgegeben, der unter www.deutscher-tourismusverband.de
kostenlos heruntergeladen werden kann. Neben allgemeinen Hinweisen (Trends, Zielgruppen, Risiken) werden auch hilfreiche Tipps zur Angebotsgestaltung und zum Qualitätsmanagement gegeben. Checklisten helfen bei der Umsetzung in die Praxis. Ein mehrseitiger Glossar der „Wellness-Sprache“ schafft zudem sprachliche Transparenz. Dabei macht es sicher nicht für jedes Unternehmen Sinn, die vollständige Palette von traditioneller chinesischer Medizin über Ayurveda bis Yoga anzubieten. Vielmehr geht es darum, mithilfe von Kooperationen den Wellnesstouristen ein abwechslungsreiches Programm anzubieten, daß sowohl Körper, Geist und Seele anspricht. Hier liegen auch die Vorteile von staatlichen Kurorten: Sie verfügen bereits über ein breites Gesundheits-, Wellness- und Kulturangebot, das allerdings von jüngeren Zielgruppen häufig als „altbacken“ empfunden wird. Es gilt daher, diese selbst zahlende, junge, aktive Bevölkerung durch neue, zeitlich verkürzte Angebote in die Region zu locken. Gerade mit Hinblick auf die knappen Kassen der Leistungsträger können Wellness- und Gesundheitsangebote als zweites Standbein einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung der Kurinfrastruktur leisten.
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